Unser 5-Sterne Hotel ist ein Schock. Es ist Chinesisches Neujahr, das frenetisch gefeiert wird und in der Lobby herrscht ein Hoellenlaerm. Ueberall Touristen, Chinesen und eine laute Band spielt Musik.
Nach mehreren Fehlschlaegen und viel Laecheln (das erste Zimmer war neben einer lauten Klimaanlage, das Zweite ein Raucherzimmer) finden wir das ideale Zimmer.
Beim Abendessen trifft uns der zweite Schlag. Battambang war in seiner Abgeschiedenheit eher urspruenglich - die anderen Hotelgaeste waren weitgehend aus Asien. Doch hier werden wir zurueckgeschleudert in den Westen. Ich sehe MacDonalds Botschafter - leicht hoerbar am vulgaeren, inhaltsleeren, lauten Geschwafel und erkennbar an unterschiedlichen Graden der Verfettung. Deutsche Oekoakademiker sind auch zu Hauf vorhanden. Wie schoen - fast wie daheim.
Der Deutsche nimmt mir, kaum dass ich ihm den Ruecken kehre, das Besteck vom Tisch. ich erwische ihn und sage, "Sie haben mein Besteck geklaut". Er: "Ach, ich dachte, das sitzt niemand."
Sitz niemand?? Auf dem Tisch stand mein randvoller, frischer Obstteller.
Ich gehe wieder ans Buffet und hole mir ein Gericht aus einem Warmhaltebehaelter. Neben mir steht auf Tuchfuehlung ungeduldig eine Amerikanerin. Ich spuere, sie wuerde mir am liebsten sofort die Kelle aus der Hand reissen. Ich hingegen wurde ihr am liebsten mit der Kelle auf den hohlen Kopf klopfen, halte mich aber aus Angst vor den karmischen Folgen - womoeglich werde ich als begehrte, kraueterfressende Spinne wiedergeboren und frittiert - zurueck. Stattdessen reiche ich ihr mit einem sanften, asiatischen Laecheln die Kelle und sage: "Here you are."
Muss ich erwaehnen, dass sie sich nicht bedankt hat?
Mittwoch, 11. Februar 2009
Bootsfahrt nach Siem Reap - 29. Jan
Wir stehen wieder einmal um 7.30 Uhr auf und machen uns per Boot auf den Weg nach Siam Reap, wo die verwunschenen Tempel von Ankhor Vat stehen.
Kaum fahren wir in dem kleinen Boot ab, erfahren wir, dass das Boot einen Schaden hat, der noch schnell repariert werden muss. Wir fahren ein Stueck und legen dann an einem Bootsladen an, den man sich keineswegs wie einen Laden bei uns vorstellen darf. Es handelt sich um ein ganz normales, kleines Haeuschen (wie ein Wohnhaus), das im vorderen Teil das kleine Geschaeft hat.
Der Maat kriecht in den Bauch des Schiffes, von vorne wird gezogen und schon ist das Gestaenge mit der kleinen Antriebsschraube auf dem Ufer freigelegt. Unser Fuehrer versichert uns, es dauert nur 10 Minuten - asiatischer Zeit, moechte ich hinzufuegen. Wir sitzen insgesamt ueber 2 Stunden fest. In der Zeit konnte ich kleine Studien ueber das Leben am Fluss fuehren.
Es ist morgens um 08.30 Uhr. Der Tag ist noch jung und frisch. Es ist relativ still. Ploetzlich ertoent eine schauderhafte, fuer westliche Ohren extrem unmelodioese Musik - endlos lang. Ich erfahre, dies ist die Morgenmusik des naheliegenden Klosters. Und schon kommen auf dem Weg oberhalb des Ufers 4 Moenche in ihren orangenen, wallenden Gewaendern mit ihren grossen, metallenen, Fruehstuecksschalen gelaufen und stellen sich in einer Reihe auf. Die Einwohner spenden ihnen in den Schalen das Fruehstuck (meistens gekochter Reis) und erwerben so gute Verdienste fuer ihr Leben. Die Moenche ziehen wieder ab.
Mir brummt der Kopf vom Treibstoff des Bootes - irgendwo muss ausserdem ein Benzinleck sein, denn auf dem Wasser ist um uns herum ein schillernder Benzinfilm. Gemaechlich kommt eine alte Frau mit einer alten, metallenen Gieskanne ans Ufer, fuellt sie mit dem Wasser und giesst oben die Tomatenstauden.
Und schon kommt das naechste Morgenritual. 3 Jungs waten in das seichte Wasser und versenken gruene, an langen Bambusstangen befestigte Plastikflaschen (in denen vorher Fanta etc. war) im Fluss.
Inzwischen herrscht reger Verkehr, viele kleine Boote fahren mit ihren ratternden Motoren an uns vorbei. In unserer Naehe ist ein schmales, kleines Boot. Darin ein Fischer und seine Frau. Die Frau lenkt das Boot mit einem langen Stock, der Fischer entwirrt sein Netz und wirft es aus. Das Ganze sieht wunderschoen aus, regelrecht romantisch. Man koennte beginnen, wieder fuer die guten, alten Zeiten zu schwaermen. Doch in den 2 Stunden, die wir hier sitzen, hat der Fischer immer wieder sein Netz muehsamm einholen, entwirren und wieder auswerfen muessen. Sein einziger Fang in dieser Zeit war eine rostige Eisenstange.
Genauso die Jungs, die in regelmaessigen Abstaenden die Plastikflaschen pruefen. In der gleichen Zeit verschwamm sich 1 kleines Fischlein in einer dieser modernen Reusen.
Waehrend ich also das Leben am Fluss beobachtete (die alte Dame kam ein zweites Mal zum Giessen), wurde eine Strebe am Gestaenge geschweisst, und zwar mit einem alten Schweissgeraet, angetrieben von einem Generator. Die Strebe war gebrochen, weil der Fluss jetzt in der Trockenzeit sehr seicht ist.
Endlich fahren wir weiter, vorbei an den Doerfern. Wir sehen Huehner, Schweine, uralte Eggen, Behausungen, die man als Slums bezeichnen muss und durchweg freundliche, laechelnde Menschen.
Die Fahrt ist harte Knochenarbeit fuer den Bootsfuehrer und seinen Helfer. Der schmale Flussarm hat viele Windungen und die starke Stroemung treibt uns immer wieder direkt in die Uferboeschung mitten ins Gebuesch. Dann muss der Helfer das Boot mit einer langen Bambusstange wieder vom Ufer abstossen - und das unzaehlige Male.
Gegen Abend kommen wir schliesslich in die ruhigen Gewaesser des Tonle Sap Sees, der sich wie ein riesiges Meer erstreckt. Und dann - endlich - nach einer fast 10-stuendigne Fahrt kommen wir - ziemlich erschlagen - in Siem Reap an.
Kaum fahren wir in dem kleinen Boot ab, erfahren wir, dass das Boot einen Schaden hat, der noch schnell repariert werden muss. Wir fahren ein Stueck und legen dann an einem Bootsladen an, den man sich keineswegs wie einen Laden bei uns vorstellen darf. Es handelt sich um ein ganz normales, kleines Haeuschen (wie ein Wohnhaus), das im vorderen Teil das kleine Geschaeft hat.
Der Maat kriecht in den Bauch des Schiffes, von vorne wird gezogen und schon ist das Gestaenge mit der kleinen Antriebsschraube auf dem Ufer freigelegt. Unser Fuehrer versichert uns, es dauert nur 10 Minuten - asiatischer Zeit, moechte ich hinzufuegen. Wir sitzen insgesamt ueber 2 Stunden fest. In der Zeit konnte ich kleine Studien ueber das Leben am Fluss fuehren.
Es ist morgens um 08.30 Uhr. Der Tag ist noch jung und frisch. Es ist relativ still. Ploetzlich ertoent eine schauderhafte, fuer westliche Ohren extrem unmelodioese Musik - endlos lang. Ich erfahre, dies ist die Morgenmusik des naheliegenden Klosters. Und schon kommen auf dem Weg oberhalb des Ufers 4 Moenche in ihren orangenen, wallenden Gewaendern mit ihren grossen, metallenen, Fruehstuecksschalen gelaufen und stellen sich in einer Reihe auf. Die Einwohner spenden ihnen in den Schalen das Fruehstuck (meistens gekochter Reis) und erwerben so gute Verdienste fuer ihr Leben. Die Moenche ziehen wieder ab.
Mir brummt der Kopf vom Treibstoff des Bootes - irgendwo muss ausserdem ein Benzinleck sein, denn auf dem Wasser ist um uns herum ein schillernder Benzinfilm. Gemaechlich kommt eine alte Frau mit einer alten, metallenen Gieskanne ans Ufer, fuellt sie mit dem Wasser und giesst oben die Tomatenstauden.
Und schon kommt das naechste Morgenritual. 3 Jungs waten in das seichte Wasser und versenken gruene, an langen Bambusstangen befestigte Plastikflaschen (in denen vorher Fanta etc. war) im Fluss.
Inzwischen herrscht reger Verkehr, viele kleine Boote fahren mit ihren ratternden Motoren an uns vorbei. In unserer Naehe ist ein schmales, kleines Boot. Darin ein Fischer und seine Frau. Die Frau lenkt das Boot mit einem langen Stock, der Fischer entwirrt sein Netz und wirft es aus. Das Ganze sieht wunderschoen aus, regelrecht romantisch. Man koennte beginnen, wieder fuer die guten, alten Zeiten zu schwaermen. Doch in den 2 Stunden, die wir hier sitzen, hat der Fischer immer wieder sein Netz muehsamm einholen, entwirren und wieder auswerfen muessen. Sein einziger Fang in dieser Zeit war eine rostige Eisenstange.
Genauso die Jungs, die in regelmaessigen Abstaenden die Plastikflaschen pruefen. In der gleichen Zeit verschwamm sich 1 kleines Fischlein in einer dieser modernen Reusen.
Waehrend ich also das Leben am Fluss beobachtete (die alte Dame kam ein zweites Mal zum Giessen), wurde eine Strebe am Gestaenge geschweisst, und zwar mit einem alten Schweissgeraet, angetrieben von einem Generator. Die Strebe war gebrochen, weil der Fluss jetzt in der Trockenzeit sehr seicht ist.
Endlich fahren wir weiter, vorbei an den Doerfern. Wir sehen Huehner, Schweine, uralte Eggen, Behausungen, die man als Slums bezeichnen muss und durchweg freundliche, laechelnde Menschen.
Die Fahrt ist harte Knochenarbeit fuer den Bootsfuehrer und seinen Helfer. Der schmale Flussarm hat viele Windungen und die starke Stroemung treibt uns immer wieder direkt in die Uferboeschung mitten ins Gebuesch. Dann muss der Helfer das Boot mit einer langen Bambusstange wieder vom Ufer abstossen - und das unzaehlige Male.
Gegen Abend kommen wir schliesslich in die ruhigen Gewaesser des Tonle Sap Sees, der sich wie ein riesiges Meer erstreckt. Und dann - endlich - nach einer fast 10-stuendigne Fahrt kommen wir - ziemlich erschlagen - in Siem Reap an.
Battambang - 28.01.
Ich habe ja schon erwaehnt, dass Battambang kein Touristenzentrum ist. Da unser Hotel etwas ausserhalb liegt, muessten wir zu Fuss in die Stadt gehen, was wir aber wegen der Hitze nie getan haben und auch, weil man staendig den Zurufen der Tuk-Tuk fahrer ausgesetzt ist. Ich muss auch zugeben, dass ich mich als "reiche" Touristin inmitten der armen Kambodschaner, besonders, wenn abends wenig Menschen unterwegs sind, unwohl fuehle. Zudem ist die Stadt nachts nicht so interessant, da sie noch nciht touristisch so erschlossen ist. Es gibt ein paar Restaurants, meistens aber kleine, dunkle, sehr einfache "Garkuechen" mit schlichtesten Stuehlen und Tischen in den Hauesern drin. Sehr treffend drueckt es Lonely Planet mit "Hole-in-the -wall" aus und tatsaeachlich sind sie wie grosse Loecher in der Hauswand.
Zudem gibt es wegen des Strommangels keine Strassenbeleuchtung und das ist auch ein bisschen unheimlich. Geht man von der Hauptstrasse ab, ist man auch gleich wieder auf unbefestigten Strassen. Also, wir sind in dem blitzsauberen, fast klinischen Zimmer unseres Te.o Hotels geblieben und haben ein paar Filme im TV gesehen oder abends im Hof Tee getrunken. War auch schoen. Denn unternehmen tun wir ja wahrlich genug.
Hier also das naechste kleine Abenteuer. Wir fuhren in unserem geschlossenen, klimatisierten Wagen zur Wat Slaket Pagode und zu Phnom Banon. Ich schreibe deshalb "geschlossen", weil es auf der ca. 15 km langen Strasse keine Befestigung gab, sondern nur den roetlich-braunen, trockenen Lehm, der sich als dicker Staubfilm auf alle Baeume und Palmen am Strassenrand legt. Die Baeume sind effektiv nicht mehr gruen, sondern komplett rotbraun. Wieder fuehlte ich mich wie die Koenigin von Sabe, als unser Fahrer gekonnt im Zickzack auf der Fahrbahn manoevrierte, Schlagloecher umschiffte, mehrmals fast im Graben landete und gekonnt Ochsenkarren, Kuehe, Motorraeder und eine endlos lange Kolonnen uniformierter Schulkinder auf uralten Fahrraedern (meistens Hollandraeder, manchmal auf 2 Kinder auf einem Rad) auswich. Viele hielten sich wegen des Staubs die hand als Schutz vor den Mund, ein paar Glueckliche trugen einen Mundschutz.
Nach der rumpeligen Fahrt kommen wir in Phnom Banon an. Ausser und weit und breit kein Tourist in Sicht. Wacker haelt die Touristenpolizei ihren Posten. Und es gibt eine Reihe kleiner Staende mit Touristensouvenirs. Wir sind ein gefundenes Fressen fuer 5 Kinder, die uns sofort verfolgen. Mittlerweile ist es sehr heiss, die Sonne steht hoch am Himmel und es ist sehr schwuel.
Langsam beginnen wir den Aufstieg der 385 steilen Stufen hoch zum alten Tempel mit den 5 Sandsteintuermen. Die Treppen sind steil und gesaeumt vom Schlangengott naga, der uns mit seinem langen Koerper beiderseits als Gelaender dient. Trotz des goettlichen Beistands braucht Manfred diesmal fuer den Aufstiege den starken Arm des Reiseleiters, da die Stufen nicht nur steil, sondern so schmal sind, dass man den Fuss seitwaerts stellen muss, insbesondere, wenn man Kindersaerge traegt.
Wir legen also los - Manfred am Arm des Fuehrers und ich daneben. Das ist aber noch nicht alles. 2 der Kinder konnten wir abschuetteln, oder sie haben sich selbst abgesprochen. Die restlichen drei kleben wie Kletten an uns. 2 Maedchen befaecheln mit ihren Faechern (jetz weiss ich auch, warum sie diese hatten) Manfred von vorn und von hinten. Ich werde von einem ernsten, kleinen Jungen begleitet, der mich gegen meinen Wunsch befaechelt. Resigniert lasse ich mich die Stufen hoch, durch den Tempelhof und wieder die Stufen hinunter befaecheln.
Jedes der Kinder bekommt einen Dollar von uns. Kein schlechter Verdienst, wenn man bedenkt, dass die gesellschaftliche Mittelschicht (im uebrigen winzig, da es entweder nur die kleine, korrupte Elite oder das arme Landvolk gibt) ca. 75 bis 100 $ im Monat verdient.
Der kulturelle Reichtum des Landes ist schier unermesslich und genauso unermesslich ist die Armut des ausgebluteten Landes. Die Schaetze (Gas, Edelsteine, Obst, Wasser) sind reichlich vorhanden, genutzt werden sie aver von den Eliten oder auslaendischen Firmen. Auch das technische Wissen zur Nutzung der Schaetze muss erst von aussen geholt werden.
Will man also dem normalen Volk als Tourist irgendwie helfen, so geht das nur durch Trinkgelder in den Hotels und Restaurants oder durch Almosen fuer die Bettler. Wie schon einmal erwaehnt, muessen viele Kriegsveteranen betteln, da sie sonst nicht ueberleben koennten. Es gibt etliche Orchester der Kriegsveteranen, die vor den Tempeln unter Baeumen im Gruppen sitzen und musizieren. Einer ist blind, der andere hat keinen Arm mehr, der Dritte hat neben sich seine Beinprothese stehen und blaest kunstvoll auf einem Baumblatt die Melodie mit. Es ist schrecklich.
Oft sind auch Kinder beim Orchester dabei. Denn es gibt viele Weisen, weil ihre Eltern zu arm sind und sie deshalb verstossen oder vor buddhistischen Kloestern ablegen. Ausserdem grassiert AIDS. Und wieder nehmen die Kloester die Kinder auf. Die Kinder stehen dann auch zu viert oder fuenft mit Infoblaettern vor dem Tempel des Klosters, in dem sie leben und sammeln Geld. Wir geben etwas Geld, sie sagen im Chor "Thank you" und verbeugen sich und reichen uns einen Prospekt ueber ihr Kloster / Weisenheim. Wer etwas Gutes tun will, kann dort als Freiwilliger englisch unterrichten. Ich muss wieder mal zugeben, dass ich das nicht koennte.
Zudem gibt es wegen des Strommangels keine Strassenbeleuchtung und das ist auch ein bisschen unheimlich. Geht man von der Hauptstrasse ab, ist man auch gleich wieder auf unbefestigten Strassen. Also, wir sind in dem blitzsauberen, fast klinischen Zimmer unseres Te.o Hotels geblieben und haben ein paar Filme im TV gesehen oder abends im Hof Tee getrunken. War auch schoen. Denn unternehmen tun wir ja wahrlich genug.
Hier also das naechste kleine Abenteuer. Wir fuhren in unserem geschlossenen, klimatisierten Wagen zur Wat Slaket Pagode und zu Phnom Banon. Ich schreibe deshalb "geschlossen", weil es auf der ca. 15 km langen Strasse keine Befestigung gab, sondern nur den roetlich-braunen, trockenen Lehm, der sich als dicker Staubfilm auf alle Baeume und Palmen am Strassenrand legt. Die Baeume sind effektiv nicht mehr gruen, sondern komplett rotbraun. Wieder fuehlte ich mich wie die Koenigin von Sabe, als unser Fahrer gekonnt im Zickzack auf der Fahrbahn manoevrierte, Schlagloecher umschiffte, mehrmals fast im Graben landete und gekonnt Ochsenkarren, Kuehe, Motorraeder und eine endlos lange Kolonnen uniformierter Schulkinder auf uralten Fahrraedern (meistens Hollandraeder, manchmal auf 2 Kinder auf einem Rad) auswich. Viele hielten sich wegen des Staubs die hand als Schutz vor den Mund, ein paar Glueckliche trugen einen Mundschutz.
Nach der rumpeligen Fahrt kommen wir in Phnom Banon an. Ausser und weit und breit kein Tourist in Sicht. Wacker haelt die Touristenpolizei ihren Posten. Und es gibt eine Reihe kleiner Staende mit Touristensouvenirs. Wir sind ein gefundenes Fressen fuer 5 Kinder, die uns sofort verfolgen. Mittlerweile ist es sehr heiss, die Sonne steht hoch am Himmel und es ist sehr schwuel.
Langsam beginnen wir den Aufstieg der 385 steilen Stufen hoch zum alten Tempel mit den 5 Sandsteintuermen. Die Treppen sind steil und gesaeumt vom Schlangengott naga, der uns mit seinem langen Koerper beiderseits als Gelaender dient. Trotz des goettlichen Beistands braucht Manfred diesmal fuer den Aufstiege den starken Arm des Reiseleiters, da die Stufen nicht nur steil, sondern so schmal sind, dass man den Fuss seitwaerts stellen muss, insbesondere, wenn man Kindersaerge traegt.
Wir legen also los - Manfred am Arm des Fuehrers und ich daneben. Das ist aber noch nicht alles. 2 der Kinder konnten wir abschuetteln, oder sie haben sich selbst abgesprochen. Die restlichen drei kleben wie Kletten an uns. 2 Maedchen befaecheln mit ihren Faechern (jetz weiss ich auch, warum sie diese hatten) Manfred von vorn und von hinten. Ich werde von einem ernsten, kleinen Jungen begleitet, der mich gegen meinen Wunsch befaechelt. Resigniert lasse ich mich die Stufen hoch, durch den Tempelhof und wieder die Stufen hinunter befaecheln.
Jedes der Kinder bekommt einen Dollar von uns. Kein schlechter Verdienst, wenn man bedenkt, dass die gesellschaftliche Mittelschicht (im uebrigen winzig, da es entweder nur die kleine, korrupte Elite oder das arme Landvolk gibt) ca. 75 bis 100 $ im Monat verdient.
Der kulturelle Reichtum des Landes ist schier unermesslich und genauso unermesslich ist die Armut des ausgebluteten Landes. Die Schaetze (Gas, Edelsteine, Obst, Wasser) sind reichlich vorhanden, genutzt werden sie aver von den Eliten oder auslaendischen Firmen. Auch das technische Wissen zur Nutzung der Schaetze muss erst von aussen geholt werden.
Will man also dem normalen Volk als Tourist irgendwie helfen, so geht das nur durch Trinkgelder in den Hotels und Restaurants oder durch Almosen fuer die Bettler. Wie schon einmal erwaehnt, muessen viele Kriegsveteranen betteln, da sie sonst nicht ueberleben koennten. Es gibt etliche Orchester der Kriegsveteranen, die vor den Tempeln unter Baeumen im Gruppen sitzen und musizieren. Einer ist blind, der andere hat keinen Arm mehr, der Dritte hat neben sich seine Beinprothese stehen und blaest kunstvoll auf einem Baumblatt die Melodie mit. Es ist schrecklich.
Oft sind auch Kinder beim Orchester dabei. Denn es gibt viele Weisen, weil ihre Eltern zu arm sind und sie deshalb verstossen oder vor buddhistischen Kloestern ablegen. Ausserdem grassiert AIDS. Und wieder nehmen die Kloester die Kinder auf. Die Kinder stehen dann auch zu viert oder fuenft mit Infoblaettern vor dem Tempel des Klosters, in dem sie leben und sammeln Geld. Wir geben etwas Geld, sie sagen im Chor "Thank you" und verbeugen sich und reichen uns einen Prospekt ueber ihr Kloster / Weisenheim. Wer etwas Gutes tun will, kann dort als Freiwilliger englisch unterrichten. Ich muss wieder mal zugeben, dass ich das nicht koennte.
Sonntag, 8. Februar 2009
Das schwimmende Dorf Krar Kor - 27.01.




Der naechste Stop auf unserer Autofahrt von Phnom Penh nach Battambank ist das schwimmende Dorf Krar Kor. Schon vom erhoehten Ufer aus sehen wir Dutzende von Haeusern, die inmitten von von Wasserhyzazinthengaerten auf dem Wasser schwimmen.
Unser Fuehrer hat wieder fuer uns alleine nach einigen Verhandlungen ein Boot besorgt. Wieder sind wir an einem entlegenen Ort. Wichtig stehen die Maenner waehrend der Verhandlungen um uns herum und starren mich diskret an. Trotzdem muss ich immer wieder sagen, wie ungemein freundlich und hilfsbereit die Menschen hier sind. Gleich folgt der Beweis dafuer. Das matschige Ufer ist uebersaet mit Unrat, es stinkt bestialisch nach verwesendem Fisch und sonstigen Dingen, ueber die man lieber nicht nachdenken moechte. Einen halben Meter ueber dem Unrat und dem Wasser verlaeuft ein schmaler, wirklich schmaler, 20 cm breiter Steg zum Boot.
Das ist nichts fuer Manfred und seine Hoehenangst. Aber schon nimmt unser hilfsbereiter Fuehrer Manfreds linke Hand und ich seine Rechte. Still danke ich dem Himmel, dass ich heute meine Sandalen mit den dicken Sohlen trage, waehrend ich durch den stinkenden Morast laufe und Manfred auf dem Steg balanciert. Kurz bevor das Wasser beginnt, reicht ihm der bootsfuehrer die Hand und hilft ihm mit den letzten Schritten. Ich steige nun auch auf den Steg und sehe unter mir im wasser Tausende von weissen Maden wimmeln. Das erzaehle ich Manfred allerdings erst, nachdem der nette Bootsmann entschieden hat, uns nach der Rundfahrt an einer anderen matsch- und madenfreien Anlegestelle herauszulassen.
Wer in einem der vielen schwimmenden Doerfer lebt, hat es gut, denn er kann direkt vom Haus aus fischen und Reusen auslegen. Ausserdem gibt es riesige Netzanlagen und umzaeunte Bereiche fuer die Fischzucht - alles mit den einfachsten Mitteln. Aus den Wasserhyazynthen kann man Flechtwerk herstellen, die Notdurft geht bequemerweise direkt ins Wasser. Irgendwann war ich dann auch mal waehrend einer weiteren Fahrt durch ein solches Dorf faellig. Wieder war ein Dankesgebet faellig - diesmal an meinen Yogalehrer. Er ist ueber 80 Jahre alt und gelenkig wie ein junges Reh. Er liess uns oft ueber eine Viertelstunde in der Hockstellung - vorzugesweise mit den Fersen auf dem Boden - verharren, waehrend er uns seine Kriegsgeschichten erzaehlt hat. Diese Hockstellung beherrscht hier jeder - vom Kleinkind bis zum Greis. Also, eben wegen dieser Uebungen ist es mir gelungen, mich im Bretterverschlag hinzuhocken und mich durch das ausgesaegte, quadratische Loch unter mir direkt in den Fluss zu erleichtern.
Auf den Terassen der schwimmenden Haueser lebt auch Federvieh, bisweilen auch Schweine. In den Wohnungen herrscht Komfort, es gibt Fernsehen, Haengematten und sonstige Annehmlichkeiten. Aus den Wasserhyazinthen laesst sich noch Flechtwerk fuer ein Zusatzeinkommen herstellen. Waehrend unserer Fahrt werden einem Huhn gerade die Federn gestutzt, ein anderes, gerupftes Huhn wird im Flusswasser gewaschen. Wie gesagt, wer hier lebt, hat es ganz gut getroffen. Was bleibt mir zu sagen? Ein gebratenes Huhn gefaellig?
P.S. Das Bild von mir ist natuerlich woanders aufgenommen - nicht im Dorf. Aber da das Laden der Fotos nicht immer so einfach ist, ist es nun hier gelandet. Ihr seht darauf eine Auswahl koestlicher Nachtische.
Auf dem Weg nach Battambang - 27.01. - das Toepferdorf





Wieder einmal stehen wir um 6.30 Uhr auf und los geht es um 7.00 Uhr per Auto mit einer 7-stuendigen Autofahrt von Phnom Peng nach Battambang. Wir fahren ueber unbefestigte Strassen und machen nach 2 Stunden Halt bei einer Toepferei mitten im Wald. Wie ueberall ist das Haus auf Stelzen als Schutz gegen Ueberschwemmungen und Schlangen gebaut. Darunter ist eine erhoehte Platform, auf der die Mutter mit einem ihrer 5 Kinder sitzt und sofort meine weisse Haut taetschelt und meine gerade Nase bewundert (auch hierhin kommen nicht so hauefig Touristen - wir sind, wie man so schoen sagt, am A.... der Welt).
Unter dem Haus ist auch die gesamte Toepferei. Der 70-jaehrige Grossvater mit einem verbleibenden Zahn fertigt die Tongefaesse noch auf traditionelle Art und Weise, indem er schmale Tonstreifen auf das entstehende Gefaess aufsetzt und dabei staendig im Kreis umd das Gefaess herum geht. Jetzt ist mir auch klar, warum sein Ruecken ab der Huefte fast um 90 Grad gebeugt ist. Die Enkelin wendet (noch afrecht) das gleiche Verfahren an, waehrend ihre Schwester an der Toepferscheibe sitzt. Eine deutsche Hilfsorganisation hat dieses Verfahren eingefuehrt und so kann sie das "Karussel" bewegen statt selbst Karussel zu sein. Da auch hier offenkundig Armut herrscht, kaufen wir fuer stolze 50 Cent eine Vase, die wir dann spaeter beim Auschecken aus dem Hotel den Zimmermaedchen schenken.
Samstag, 7. Februar 2009
Die Killing Fields und das Tuol Sleng Museum - 26. Jan.






16 km suedlich von Phnom Penh liegen die Killing Fields von Choeung Ek, so bezeichnet, weil dort zwischen 1975 und 1978 unter Pol Pot 17.000 Frauen, Maenner, Kinder und Babies getoetet wurden. Regelmaessig kamen hier aus dem Sicherheitsgefaengnis S 21 in Phnom Penh LKW-Ladungen mit gefolterten Menschen, die sofort nach ihrer Ankunft an den Killing Fields sofort totgeschlagen und nicht erschossen wurden, um wertvolle Patronen zu sparen.
Manchmal kamen die Waerter (die sich als Handlanger fuer das Toeten entschieden hatten, um nicht selbst getoetet zu werden) mit dem Toeten nicht nach und so wurden die Menshcen in das "Gloomy Prison" gesteckt - ein Gefaengnis, das besonders dunkel ausgelegt und schwarz gestrichen war, um die Menschen zu demoralisieren.
Auf den Killing Fields ist eine Stupa (ein Turm) zu besichtigen, in dem 8000 Totenschaedel, geordnet nach Alter und Geschlecht gegen das Vergessen ausgestellt werden. Sie stammen aus 86 der insgesamt 126 Massengraeber der Killing Fields. Der jetzige Premierminister (rein zufaellig ein ehemaliger Befehlshaber unter Pol Pot) wollte die Gedenkstaette schliessen, konnte sich jedoch nicht gegen den massiven Protest der Bevoelkerung durchsetzen.
Ich weiss nicht, was ich schlimmer fand: Den "Magic Tree", an dem Lautsprecher hingen, aus denen laute Musik droehnte, um die Todesschreie zu uebertoenen; die waehrend der Regenzeit hochgeschwemmten und frei herumliegenden Knochen und Kleider der noch nciht ausgegrabenen Skelette, oder letzlich doch den "Killing Tree" mit dem dunklen Fleck, gegen den die Kinder geschlagen wurden und dann zu ihren nackten, vorher noch vergewaltigten Muettern ins Massengrab geworfen wurden.
Weiter ging es von diesem schauderhaften Ort ins Sicherheitsgefaengnis S 21 in Phnom Penh - urspruenglich eine Schule. Hier wurden die Gefangenen vor ihrere Deportation zu den Killing Fields akribisch fotografiert, katalogisiert, verhoert und gefoltert. Ensprechend haengen in den Raumen Hunderte von Portraetfotografien der menschen, die dort leiden mussten. Insgesamt hat Pol Pot 2 Millionen Menschen aus den Staedten vertrieben, Familien absichtlich auseinandergerissen, Kinder zum Verrat gegen eltern aufgehetzt und alle Gebildeten getoetet, um so einen landwirtschaftlichen Kommunismus einzufuerhen, in dem alle gleich sind - bis hin zu den schwarzen Einheitssandalen und der schwarzen Kleidung. Farbige Kleidung war damals tabu.
Von den 17.000 Menschen, die im S 21 gefoltert wurden, haben mit Sicherheit 7, vielleicht aber auch 100 ueberlebt. Einer davon ist ein alter Mann, der fast jeden Tag vor seiner ehemaligen Zelle steht, um den Besuchern zu berichten, was damals geschah. Wie alle Gefangenen musste er Fussketten tragen und durfte sich in seiner Zelle nicht bewegen. Wenn die Ketten doch einmal versehentlich klirrten, wurde er geschlagen.
Fuer das grosse Geschaeft gab es in der Zelle einen rechteckigen Blechkasten, fuer das Kleine einen Benzinkanister. Ihm wurden die Zehennaegel ausgerissen und die Finger gebrochen.
Im Gefaengnis ist eine Ausstellung mit seinen Bildern, die die Folterungen darstellen. Eines zeigt ihn als jungen Mann in seiner Zelle. Eine weitere Foltermethode war beispielsweise auch das zwangsweise beissen und stechen lassen von giftigen Insekten. Ich zaehle nichts weiter auf, sondern habe diesen Bericht geschrieben und stelle das Bild des alten Mannes ein, weil er moechte, dass die Welt ueber diese Dinge Bescheid weiss. Der Prozess gegen das Pol Pot Regime und die Schergen geht weiter, er wurde viele Jahre zur Empoerung der Opfer herausgezoegert. Der alte Mann hat nun eine Anwaeltin aus Deutschland, die ihn kostenfrei vor dem internationalen Gerichtshof vertritt.
Allerdings muss man auch hier anmerken, dass viele Anwaelte von dem Prozess profitieren wollen. Sie beiten den Opfern die anwaltliche Vertratung unter der Voraussetzung an, dass sie am Ende des Verfahrens die Haelfte des Schmerzensgeldes bekommen. So ist die Welt - gemein und schlecht.
Wahrscheinlich muss ich nicht extra erwaehnen, dass ich nach diesen beiden Besichtigungen 2 Naechte lang Alptraeume hatte. Und eigentlich habe ich keine schwachen Nerven.
Der Strassenverkehr und das Abendessen - 26. Jan.





Ich glaube, ich habe noch gar nicht erwaehnt, dass wir seit unserer Ankunft in Kambodscha mit einem Fahrer und einem Reiseleiter in einem klimatisierten Auto unterwegs sind. Das klingt vielleicht dekadent, aber ich muss sagen, dass es lebensgefaehrlich ist, auf diesen Strassen zu fahren.
Da gibt es zunaechst einmal die normalen Autos, die vielleicht 25% des Strassenverkehrs ausmachen, dann sind da aber noch die unzaehligen 75% an Mottorraedern mit extrem schmalen Lenkern, die sich ueberall hindurchschlaengeln koennen und auf denen 1 bis 5 Personen, also ganze Familien samt Baby, Einkaeufen und Hund sitzen koennen. Hinzu kommen die Tuk-Tuks und diverse Fussgaenger, die allesamt nach einem undurchschaubaren System dureinanderrennen und -fahren. Man braucht nicht glauben, dass man auf dem Gehsteig sicherer waere, denn wenn die Strasse zu voll ist, fahren die Motorraeder einfach auf den Gehweg.
Zieht man daruerber hinaus in Betracht, dass einzelne Staedte extra Initiativen aufgebaut haben, in denen Opfer von Motorradunfaellen Seidenstoffe weben und verkaufen, so bin ich doch froh , dass ich wie die Koenigin von Saba in einer Saenfte durch das Land gefahren werde.
Abends freue ich mich immer, dass ich wieder heil in unserem Hotel angekommen bin und staerke mich nach den Eindruecken des Tages mit einem Abendessen im Hotelrestaurant des Te.O.
Es stehen Dutzende von Gerichten auf der Speisekarte, aber nach kurzer Ueberlegung entscheide ich mich doch gegen den Huehnerfusssalat (zuwenig Fleisch), verwerfe den Bin Laden Salat (zu explosiv) und ueberblaettere auch den gebratenen Frosch (zu aufgeblasen).
Eigentlich wollte ich unbedingt die frittierte, kraeuterfressende Spinne verzehren, deren Koerper ca. 4 cm lang ist und ca. 1,5 cm Durchmesser hat. Ihr wird wegen ihrer vegetarischen Ernaehrung eine heilkraeftige Wirkung nachgesagt. Gerade die war nicht zu haben. So ein Mist!
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