Wir stehen wieder einmal um 7.30 Uhr auf und machen uns per Boot auf den Weg nach Siam Reap, wo die verwunschenen Tempel von Ankhor Vat stehen.
Kaum fahren wir in dem kleinen Boot ab, erfahren wir, dass das Boot einen Schaden hat, der noch schnell repariert werden muss. Wir fahren ein Stueck und legen dann an einem Bootsladen an, den man sich keineswegs wie einen Laden bei uns vorstellen darf. Es handelt sich um ein ganz normales, kleines Haeuschen (wie ein Wohnhaus), das im vorderen Teil das kleine Geschaeft hat.
Der Maat kriecht in den Bauch des Schiffes, von vorne wird gezogen und schon ist das Gestaenge mit der kleinen Antriebsschraube auf dem Ufer freigelegt. Unser Fuehrer versichert uns, es dauert nur 10 Minuten - asiatischer Zeit, moechte ich hinzufuegen. Wir sitzen insgesamt ueber 2 Stunden fest. In der Zeit konnte ich kleine Studien ueber das Leben am Fluss fuehren.
Es ist morgens um 08.30 Uhr. Der Tag ist noch jung und frisch. Es ist relativ still. Ploetzlich ertoent eine schauderhafte, fuer westliche Ohren extrem unmelodioese Musik - endlos lang. Ich erfahre, dies ist die Morgenmusik des naheliegenden Klosters. Und schon kommen auf dem Weg oberhalb des Ufers 4 Moenche in ihren orangenen, wallenden Gewaendern mit ihren grossen, metallenen, Fruehstuecksschalen gelaufen und stellen sich in einer Reihe auf. Die Einwohner spenden ihnen in den Schalen das Fruehstuck (meistens gekochter Reis) und erwerben so gute Verdienste fuer ihr Leben. Die Moenche ziehen wieder ab.
Mir brummt der Kopf vom Treibstoff des Bootes - irgendwo muss ausserdem ein Benzinleck sein, denn auf dem Wasser ist um uns herum ein schillernder Benzinfilm. Gemaechlich kommt eine alte Frau mit einer alten, metallenen Gieskanne ans Ufer, fuellt sie mit dem Wasser und giesst oben die Tomatenstauden.
Und schon kommt das naechste Morgenritual. 3 Jungs waten in das seichte Wasser und versenken gruene, an langen Bambusstangen befestigte Plastikflaschen (in denen vorher Fanta etc. war) im Fluss.
Inzwischen herrscht reger Verkehr, viele kleine Boote fahren mit ihren ratternden Motoren an uns vorbei. In unserer Naehe ist ein schmales, kleines Boot. Darin ein Fischer und seine Frau. Die Frau lenkt das Boot mit einem langen Stock, der Fischer entwirrt sein Netz und wirft es aus. Das Ganze sieht wunderschoen aus, regelrecht romantisch. Man koennte beginnen, wieder fuer die guten, alten Zeiten zu schwaermen. Doch in den 2 Stunden, die wir hier sitzen, hat der Fischer immer wieder sein Netz muehsamm einholen, entwirren und wieder auswerfen muessen. Sein einziger Fang in dieser Zeit war eine rostige Eisenstange.
Genauso die Jungs, die in regelmaessigen Abstaenden die Plastikflaschen pruefen. In der gleichen Zeit verschwamm sich 1 kleines Fischlein in einer dieser modernen Reusen.
Waehrend ich also das Leben am Fluss beobachtete (die alte Dame kam ein zweites Mal zum Giessen), wurde eine Strebe am Gestaenge geschweisst, und zwar mit einem alten Schweissgeraet, angetrieben von einem Generator. Die Strebe war gebrochen, weil der Fluss jetzt in der Trockenzeit sehr seicht ist.
Endlich fahren wir weiter, vorbei an den Doerfern. Wir sehen Huehner, Schweine, uralte Eggen, Behausungen, die man als Slums bezeichnen muss und durchweg freundliche, laechelnde Menschen.
Die Fahrt ist harte Knochenarbeit fuer den Bootsfuehrer und seinen Helfer. Der schmale Flussarm hat viele Windungen und die starke Stroemung treibt uns immer wieder direkt in die Uferboeschung mitten ins Gebuesch. Dann muss der Helfer das Boot mit einer langen Bambusstange wieder vom Ufer abstossen - und das unzaehlige Male.
Gegen Abend kommen wir schliesslich in die ruhigen Gewaesser des Tonle Sap Sees, der sich wie ein riesiges Meer erstreckt. Und dann - endlich - nach einer fast 10-stuendigne Fahrt kommen wir - ziemlich erschlagen - in Siem Reap an.
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