Ich habe ja schon erwaehnt, dass Battambang kein Touristenzentrum ist. Da unser Hotel etwas ausserhalb liegt, muessten wir zu Fuss in die Stadt gehen, was wir aber wegen der Hitze nie getan haben und auch, weil man staendig den Zurufen der Tuk-Tuk fahrer ausgesetzt ist. Ich muss auch zugeben, dass ich mich als "reiche" Touristin inmitten der armen Kambodschaner, besonders, wenn abends wenig Menschen unterwegs sind, unwohl fuehle. Zudem ist die Stadt nachts nicht so interessant, da sie noch nciht touristisch so erschlossen ist. Es gibt ein paar Restaurants, meistens aber kleine, dunkle, sehr einfache "Garkuechen" mit schlichtesten Stuehlen und Tischen in den Hauesern drin. Sehr treffend drueckt es Lonely Planet mit "Hole-in-the -wall" aus und tatsaeachlich sind sie wie grosse Loecher in der Hauswand.
Zudem gibt es wegen des Strommangels keine Strassenbeleuchtung und das ist auch ein bisschen unheimlich. Geht man von der Hauptstrasse ab, ist man auch gleich wieder auf unbefestigten Strassen. Also, wir sind in dem blitzsauberen, fast klinischen Zimmer unseres Te.o Hotels geblieben und haben ein paar Filme im TV gesehen oder abends im Hof Tee getrunken. War auch schoen. Denn unternehmen tun wir ja wahrlich genug.
Hier also das naechste kleine Abenteuer. Wir fuhren in unserem geschlossenen, klimatisierten Wagen zur Wat Slaket Pagode und zu Phnom Banon. Ich schreibe deshalb "geschlossen", weil es auf der ca. 15 km langen Strasse keine Befestigung gab, sondern nur den roetlich-braunen, trockenen Lehm, der sich als dicker Staubfilm auf alle Baeume und Palmen am Strassenrand legt. Die Baeume sind effektiv nicht mehr gruen, sondern komplett rotbraun. Wieder fuehlte ich mich wie die Koenigin von Sabe, als unser Fahrer gekonnt im Zickzack auf der Fahrbahn manoevrierte, Schlagloecher umschiffte, mehrmals fast im Graben landete und gekonnt Ochsenkarren, Kuehe, Motorraeder und eine endlos lange Kolonnen uniformierter Schulkinder auf uralten Fahrraedern (meistens Hollandraeder, manchmal auf 2 Kinder auf einem Rad) auswich. Viele hielten sich wegen des Staubs die hand als Schutz vor den Mund, ein paar Glueckliche trugen einen Mundschutz.
Nach der rumpeligen Fahrt kommen wir in Phnom Banon an. Ausser und weit und breit kein Tourist in Sicht. Wacker haelt die Touristenpolizei ihren Posten. Und es gibt eine Reihe kleiner Staende mit Touristensouvenirs. Wir sind ein gefundenes Fressen fuer 5 Kinder, die uns sofort verfolgen. Mittlerweile ist es sehr heiss, die Sonne steht hoch am Himmel und es ist sehr schwuel.
Langsam beginnen wir den Aufstieg der 385 steilen Stufen hoch zum alten Tempel mit den 5 Sandsteintuermen. Die Treppen sind steil und gesaeumt vom Schlangengott naga, der uns mit seinem langen Koerper beiderseits als Gelaender dient. Trotz des goettlichen Beistands braucht Manfred diesmal fuer den Aufstiege den starken Arm des Reiseleiters, da die Stufen nicht nur steil, sondern so schmal sind, dass man den Fuss seitwaerts stellen muss, insbesondere, wenn man Kindersaerge traegt.
Wir legen also los - Manfred am Arm des Fuehrers und ich daneben. Das ist aber noch nicht alles. 2 der Kinder konnten wir abschuetteln, oder sie haben sich selbst abgesprochen. Die restlichen drei kleben wie Kletten an uns. 2 Maedchen befaecheln mit ihren Faechern (jetz weiss ich auch, warum sie diese hatten) Manfred von vorn und von hinten. Ich werde von einem ernsten, kleinen Jungen begleitet, der mich gegen meinen Wunsch befaechelt. Resigniert lasse ich mich die Stufen hoch, durch den Tempelhof und wieder die Stufen hinunter befaecheln.
Jedes der Kinder bekommt einen Dollar von uns. Kein schlechter Verdienst, wenn man bedenkt, dass die gesellschaftliche Mittelschicht (im uebrigen winzig, da es entweder nur die kleine, korrupte Elite oder das arme Landvolk gibt) ca. 75 bis 100 $ im Monat verdient.
Der kulturelle Reichtum des Landes ist schier unermesslich und genauso unermesslich ist die Armut des ausgebluteten Landes. Die Schaetze (Gas, Edelsteine, Obst, Wasser) sind reichlich vorhanden, genutzt werden sie aver von den Eliten oder auslaendischen Firmen. Auch das technische Wissen zur Nutzung der Schaetze muss erst von aussen geholt werden.
Will man also dem normalen Volk als Tourist irgendwie helfen, so geht das nur durch Trinkgelder in den Hotels und Restaurants oder durch Almosen fuer die Bettler. Wie schon einmal erwaehnt, muessen viele Kriegsveteranen betteln, da sie sonst nicht ueberleben koennten. Es gibt etliche Orchester der Kriegsveteranen, die vor den Tempeln unter Baeumen im Gruppen sitzen und musizieren. Einer ist blind, der andere hat keinen Arm mehr, der Dritte hat neben sich seine Beinprothese stehen und blaest kunstvoll auf einem Baumblatt die Melodie mit. Es ist schrecklich.
Oft sind auch Kinder beim Orchester dabei. Denn es gibt viele Weisen, weil ihre Eltern zu arm sind und sie deshalb verstossen oder vor buddhistischen Kloestern ablegen. Ausserdem grassiert AIDS. Und wieder nehmen die Kloester die Kinder auf. Die Kinder stehen dann auch zu viert oder fuenft mit Infoblaettern vor dem Tempel des Klosters, in dem sie leben und sammeln Geld. Wir geben etwas Geld, sie sagen im Chor "Thank you" und verbeugen sich und reichen uns einen Prospekt ueber ihr Kloster / Weisenheim. Wer etwas Gutes tun will, kann dort als Freiwilliger englisch unterrichten. Ich muss wieder mal zugeben, dass ich das nicht koennte.
Mittwoch, 11. Februar 2009
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