Samstag, 7. Februar 2009

Die Killing Fields und das Tuol Sleng Museum - 26. Jan.








16 km suedlich von Phnom Penh liegen die Killing Fields von Choeung Ek, so bezeichnet, weil dort zwischen 1975 und 1978 unter Pol Pot 17.000 Frauen, Maenner, Kinder und Babies getoetet wurden. Regelmaessig kamen hier aus dem Sicherheitsgefaengnis S 21 in Phnom Penh LKW-Ladungen mit gefolterten Menschen, die sofort nach ihrer Ankunft an den Killing Fields sofort totgeschlagen und nicht erschossen wurden, um wertvolle Patronen zu sparen.

Manchmal kamen die Waerter (die sich als Handlanger fuer das Toeten entschieden hatten, um nicht selbst getoetet zu werden) mit dem Toeten nicht nach und so wurden die Menshcen in das "Gloomy Prison" gesteckt - ein Gefaengnis, das besonders dunkel ausgelegt und schwarz gestrichen war, um die Menschen zu demoralisieren.

Auf den Killing Fields ist eine Stupa (ein Turm) zu besichtigen, in dem 8000 Totenschaedel, geordnet nach Alter und Geschlecht gegen das Vergessen ausgestellt werden. Sie stammen aus 86 der insgesamt 126 Massengraeber der Killing Fields. Der jetzige Premierminister (rein zufaellig ein ehemaliger Befehlshaber unter Pol Pot) wollte die Gedenkstaette schliessen, konnte sich jedoch nicht gegen den massiven Protest der Bevoelkerung durchsetzen.

Ich weiss nicht, was ich schlimmer fand: Den "Magic Tree", an dem Lautsprecher hingen, aus denen laute Musik droehnte, um die Todesschreie zu uebertoenen; die waehrend der Regenzeit hochgeschwemmten und frei herumliegenden Knochen und Kleider der noch nciht ausgegrabenen Skelette, oder letzlich doch den "Killing Tree" mit dem dunklen Fleck, gegen den die Kinder geschlagen wurden und dann zu ihren nackten, vorher noch vergewaltigten Muettern ins Massengrab geworfen wurden.

Weiter ging es von diesem schauderhaften Ort ins Sicherheitsgefaengnis S 21 in Phnom Penh - urspruenglich eine Schule. Hier wurden die Gefangenen vor ihrere Deportation zu den Killing Fields akribisch fotografiert, katalogisiert, verhoert und gefoltert. Ensprechend haengen in den Raumen Hunderte von Portraetfotografien der menschen, die dort leiden mussten. Insgesamt hat Pol Pot 2 Millionen Menschen aus den Staedten vertrieben, Familien absichtlich auseinandergerissen, Kinder zum Verrat gegen eltern aufgehetzt und alle Gebildeten getoetet, um so einen landwirtschaftlichen Kommunismus einzufuerhen, in dem alle gleich sind - bis hin zu den schwarzen Einheitssandalen und der schwarzen Kleidung. Farbige Kleidung war damals tabu.

Von den 17.000 Menschen, die im S 21 gefoltert wurden, haben mit Sicherheit 7, vielleicht aber auch 100 ueberlebt. Einer davon ist ein alter Mann, der fast jeden Tag vor seiner ehemaligen Zelle steht, um den Besuchern zu berichten, was damals geschah. Wie alle Gefangenen musste er Fussketten tragen und durfte sich in seiner Zelle nicht bewegen. Wenn die Ketten doch einmal versehentlich klirrten, wurde er geschlagen.

Fuer das grosse Geschaeft gab es in der Zelle einen rechteckigen Blechkasten, fuer das Kleine einen Benzinkanister. Ihm wurden die Zehennaegel ausgerissen und die Finger gebrochen.

Im Gefaengnis ist eine Ausstellung mit seinen Bildern, die die Folterungen darstellen. Eines zeigt ihn als jungen Mann in seiner Zelle. Eine weitere Foltermethode war beispielsweise auch das zwangsweise beissen und stechen lassen von giftigen Insekten. Ich zaehle nichts weiter auf, sondern habe diesen Bericht geschrieben und stelle das Bild des alten Mannes ein, weil er moechte, dass die Welt ueber diese Dinge Bescheid weiss. Der Prozess gegen das Pol Pot Regime und die Schergen geht weiter, er wurde viele Jahre zur Empoerung der Opfer herausgezoegert. Der alte Mann hat nun eine Anwaeltin aus Deutschland, die ihn kostenfrei vor dem internationalen Gerichtshof vertritt.

Allerdings muss man auch hier anmerken, dass viele Anwaelte von dem Prozess profitieren wollen. Sie beiten den Opfern die anwaltliche Vertratung unter der Voraussetzung an, dass sie am Ende des Verfahrens die Haelfte des Schmerzensgeldes bekommen. So ist die Welt - gemein und schlecht.

Wahrscheinlich muss ich nicht extra erwaehnen, dass ich nach diesen beiden Besichtigungen 2 Naechte lang Alptraeume hatte. Und eigentlich habe ich keine schwachen Nerven.

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