Ich muss mein Urteil ueber Kambodscha relativieren oder zumindest differenzieren, denn unser erster Reiseleiter hat uns inzwischen sehr viel ueber die Geschichte Kambodschas erzaehlt.
Das grosse Reich der Khmer wurde in den letzten Jahren systematisch von Thailand und Vietnam terretorial scheibchenweise abgeknabbert und ausgesaugt. So sind von den urspruenglich 75% Wald, die das Land bedeckten, nur noch 25% uebrig, weil in einem Deal zwischen den Eliten Vietnams und Kambodschas Vietnam das gesamte Holz bekam.
An der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha verwertet Thailand einen Tempel touristisch, obwohl er Kambodscha zugesprochen wurde. Selbst Ankhor Vat, das Wahrzeichen Kambodschas, wurde in einem korrupten Deal an das Sokha Hotel verleast, das einem vietnamesischen Oelkonsortium angehoert. Ca. 10 % gehen an Sokha, 17 % an den Erhalt der Tempel und der Loewenanteil versickert in unergruendlichen Quellen.
Auch andere Tempel werden in Pachtvertraegen mit den asiatischen Nachbarstaaten touristisch ausgebeutet. Zumeist sieht Kambodscha keinen Cent vom Gewinn. D.h. unsere schoenen gruenen Dollar (wir haben fuer 3 Tage Zugang zur Tempelanlage Ankor Vats jeweils 40 Dollar bezahlt) gehen an in- und auslaendische Eliten und auf schweizer Konten.
Kein Wunder also, dass das Volk auf dem Lande sich noch mit dem Ochsenkarren fortbewegt, Hunger leidet und sich noch nicht einmal die Bildung der Kinder leisten kann. Denn selbst von den Lehrern, die wegen ihres mageren Gehalts illegal Zusatzbezahlung von den Schuelern fordern, lernen die Kinder Korruption.
Ueberhaupt kann man hier mit Geld alles kaufen. Wollte ich eine Massage plus 4-Gaenge-Menue und haette Lust auf die touristische Verwertung eines buddhistischen Friedhofs und die Verfilmung von Sexszenen mit einem kambodschanischen Kind, dann waere das mit dem noetigen Kleingeld ueberhaupt kein Problem.
Wenn man nun noch bedenkt, dass jeder heute lebende Kambodschander unter Polt Pot 1975 mindestens 1 Familienmitglied durch grausame Folter und Toetung verloren hat, verwundert es nicht, dass in diesem Land eine allgemeine Schwermut herrscht. Erst seit 10 Jahren gibt es Frieden und fuer alle scheint das das Wichtigste zu sein - den Frieden um jeden Preis wahren.
Trotz der Schwermut darf man aber den Stolz der Kambodschaner nicht vergessen und dass sie sich sehr dafuer schaemen, den Touristen nicht mehr bieten zu koennen. Ich versuchte, unseren Reiseleiter damit zu troesten, dass alles Zeit braucht, aber das scheint die grosse Scham und Schwermut nicht beschwichtigen zu koennen. Der Verlust des grossen Khmer-Reiches, die Misswirtschaft, Korruption und Armut machen den Kambodschanern schwer zu schaffen. Reisen ins Ausland sind sehr schwer - und das mit gutem Grund. Waere es erlaubt, das Land zu verlassen, waere es wohl ueber Nacht entvoelkert.
Unser zweiter Reiseleiter, der erst mit 15 Jahren in einem UN-Fluechtlingslager lesen und schreiben (und englisch) lernte, hat es als junger Mann in einem 1,5-taegigen Fussmarsch von der kambodschanischen Grenze nach Bangkok geschafft, wurde aber dort gefasst und deportiert. Damals war er so unerfahren, dass er keinen Pass und kein Geld dabei hatte, sondern einfach nur weg wollte. Sein Vater wurde von Pol Pot getoetet, als er 6 Jahre alt war und bis heute weiss er nicht, wo seine Leiche ist. Sein Glueck im Unglueck war, dass er im UN-Lager englisch lernen konnte und damit nun als Reiseleiter seine Familie mit mittlerweile 5 Kindern ernaehren kann. Dann eines wollte er, wie er sagte, nie: Fuer einen Hungerlohn im Reisfeld schuften.
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