



Der naechste Stop auf unserer Autofahrt von Phnom Penh nach Battambank ist das schwimmende Dorf Krar Kor. Schon vom erhoehten Ufer aus sehen wir Dutzende von Haeusern, die inmitten von von Wasserhyzazinthengaerten auf dem Wasser schwimmen.
Unser Fuehrer hat wieder fuer uns alleine nach einigen Verhandlungen ein Boot besorgt. Wieder sind wir an einem entlegenen Ort. Wichtig stehen die Maenner waehrend der Verhandlungen um uns herum und starren mich diskret an. Trotzdem muss ich immer wieder sagen, wie ungemein freundlich und hilfsbereit die Menschen hier sind. Gleich folgt der Beweis dafuer. Das matschige Ufer ist uebersaet mit Unrat, es stinkt bestialisch nach verwesendem Fisch und sonstigen Dingen, ueber die man lieber nicht nachdenken moechte. Einen halben Meter ueber dem Unrat und dem Wasser verlaeuft ein schmaler, wirklich schmaler, 20 cm breiter Steg zum Boot.
Das ist nichts fuer Manfred und seine Hoehenangst. Aber schon nimmt unser hilfsbereiter Fuehrer Manfreds linke Hand und ich seine Rechte. Still danke ich dem Himmel, dass ich heute meine Sandalen mit den dicken Sohlen trage, waehrend ich durch den stinkenden Morast laufe und Manfred auf dem Steg balanciert. Kurz bevor das Wasser beginnt, reicht ihm der bootsfuehrer die Hand und hilft ihm mit den letzten Schritten. Ich steige nun auch auf den Steg und sehe unter mir im wasser Tausende von weissen Maden wimmeln. Das erzaehle ich Manfred allerdings erst, nachdem der nette Bootsmann entschieden hat, uns nach der Rundfahrt an einer anderen matsch- und madenfreien Anlegestelle herauszulassen.
Wer in einem der vielen schwimmenden Doerfer lebt, hat es gut, denn er kann direkt vom Haus aus fischen und Reusen auslegen. Ausserdem gibt es riesige Netzanlagen und umzaeunte Bereiche fuer die Fischzucht - alles mit den einfachsten Mitteln. Aus den Wasserhyazynthen kann man Flechtwerk herstellen, die Notdurft geht bequemerweise direkt ins Wasser. Irgendwann war ich dann auch mal waehrend einer weiteren Fahrt durch ein solches Dorf faellig. Wieder war ein Dankesgebet faellig - diesmal an meinen Yogalehrer. Er ist ueber 80 Jahre alt und gelenkig wie ein junges Reh. Er liess uns oft ueber eine Viertelstunde in der Hockstellung - vorzugesweise mit den Fersen auf dem Boden - verharren, waehrend er uns seine Kriegsgeschichten erzaehlt hat. Diese Hockstellung beherrscht hier jeder - vom Kleinkind bis zum Greis. Also, eben wegen dieser Uebungen ist es mir gelungen, mich im Bretterverschlag hinzuhocken und mich durch das ausgesaegte, quadratische Loch unter mir direkt in den Fluss zu erleichtern.
Auf den Terassen der schwimmenden Haueser lebt auch Federvieh, bisweilen auch Schweine. In den Wohnungen herrscht Komfort, es gibt Fernsehen, Haengematten und sonstige Annehmlichkeiten. Aus den Wasserhyazinthen laesst sich noch Flechtwerk fuer ein Zusatzeinkommen herstellen. Waehrend unserer Fahrt werden einem Huhn gerade die Federn gestutzt, ein anderes, gerupftes Huhn wird im Flusswasser gewaschen. Wie gesagt, wer hier lebt, hat es ganz gut getroffen. Was bleibt mir zu sagen? Ein gebratenes Huhn gefaellig?
P.S. Das Bild von mir ist natuerlich woanders aufgenommen - nicht im Dorf. Aber da das Laden der Fotos nicht immer so einfach ist, ist es nun hier gelandet. Ihr seht darauf eine Auswahl koestlicher Nachtische.
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